Immer mehr jüngere Patientinnen und Patienten erkranken an Krebs. Damit sind auch deren Familien mitbetroffen und die Kinder, die in den Familien leben oder häufig auch bei einem alleinerziehenden Elternteil. Pro Jahr betrifft dies neu etwa 150.000 bis 200.000 Kinder unter 18 Jahren. Mit der Diagnosestellung stehen für die Eltern jedoch erst einmal medizinische Fragen und große Zukunftsängste im Vordergrund. Zudem kommt häufig eine erhebliche Unsicherheit bei den Eltern und anderen Familienangehörigen dazu, wie sie mit den Kindern über die Krebserkrankung sprechen sollen. Die Kinder in den Familien spüren jedoch sehr genau, dass etwas nicht stimmt und füllen mit schlimmen Phantasien ihr Nichtwissen auf. Dazu kommen für den erkrankten Elternteil belastende Operationen und Therapien, häufig ist auch eine längerfristige räumliche Trennung von der Familie notwendig.
Für die Kinder gerät durch die Krebserkrankung eines Elternteils ihre bisher sichere und zuverlässige Welt ins Wanken. Der betroffenen Elternteil und dessen Partner sind erst einmal durch die akute Behandlung und die Ängste, wie alles weitergehen wird, sowie die Neuorganisation des Familienlebens so belastet, dass es ihnen manchmal schwer fällt, die Bedürfnisse der Kinder auch noch im Blick zu behalten.
Bisherige Forschungsergebnisse zeigen, dass die Kinder krebskranker Eltern häufig sehr spät, unzureichend und teilweise falsch über die Erkrankung der Eltern in Kenntnis gesetzt werden. Außerdem unterschätzen die Eltern häufig die Belastungen ihrer Kinder. Und es wurde auch festgestellt, dass das Ausmaß der Angstgefühle der Kinder abhängig ist von der Art der Gespräche mit den Kindern. Ebenso wurde deutlich, dass das Risiko einer späteren psychischen Erkrankung doppelt so hoch ist wie für andere Kinder dieses Alters.
Weitere Informationen zum Projekt 'Mama/Papa hat Krebs' finden Sie in unsererem Menü in der Rubrik Über uns -> 'Mama/Papa hat Krebs'.
Um die gesamte Familie, Eltern wie Kinder, nach der Diagnose Krebs optimal zu unterstützen, sind verschiedene Ansatzpunkte notwendig:
Die Eltern, aber auch andere Bezugspersonen der Kinder (Großeltern, Erzieherinnen, LehrerInnen,), sind häufig verunsichert, wie sie mit den Kindern altersgemäß über die Erkrankung sprechen sollen und es besteht entsprechender Beratungsbedarf. Außerdem benötigen die Elternteile häufig Gespräche, um die angespannte Situation in der Familie zu bewältigen und neue Lösungswege zu finden.
Für Kinder ab dem Grundschulalter ist es sinnvoll, ihnen einen geschützten Raum für Gespräche anzubieten, in denen sie über ihre eigenen Sorgen und Probleme sprechen können. Außerdem sollte es verschiedene Formen von Angeboten geben, um den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, außerhalb der Familie auch eine unbeschwerte Zeit erleben zu können. Ebenso sind Gruppenangebote mit erlebnispädagogischem Ansatz sinnvoll, damit die Kinder so mit anderen Kindern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, in Kontakt kommen und gemeinsam Neues erleben und bewältigen.
Alle Angebote an die Eltern und Kinder sollten als präventive Angebote verstanden werden und ihnen die Möglichkeit geboten werden, diese möglichst früh und ohne großen Aufwand in Anspruch zu nehmen.
Für eine optimale psychosoziale Betreuung der gesamten Familie ist es notwendig mit weiteren regionalen Beratungsstellen und niedergelassenen Therapeuten zusammenzuarbeiten, um so alle bestehenden Unterstützungsmöglichkeiten optimal auszuschöpfen.